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Islam in der Moderne

In Zusammenarbeit mit dem Colloquium politicum der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br.

 

Das sozialgesellschaftliche Interesse in Deutschland an der Religion und Kultur der islamisch-orientalischen Welt ist in den letzten Jahren immer größer geworden. Das Interesse erstreckt sich über ein weites Spektrum und tritt in vielen Debatten in der Öffentlichkeit zu Tage. Dabei merkt man sehr schnell, dass in diesen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen und Diskussionen ein zum Teil sehr verzerrtes, sogar oft ein sehr einseitiges Bild des Islam existiert. Entgegen diesem Bild existiert nicht „der” Islam, sondern ein breites Spektrum an religiösen Strömungen und Ausprägungen innerhalb dieser Religion. Es handelt sich um eine hochkomplexe, über Jahrhunderte gewachsene und sich entwickelnde Glaubensgemeinschaft, die in sich keinesfalls als einheitlich zu betrachten ist. Dieser Tatsache möchten wir gerecht werden und der Öffentlichkeit die Möglichkeit bieten, sich ein differenzierteres Bild "des" Islams anzueignen.


Die Vortragsreihe wird gemeinsam mit dem Colloquium politicum der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und dem Orient-Netzwerk e.V. im Sommersemester 2011 ausgerichtet und umfasst vier einzelne Vorträge. Mit dem Colloquium politicum hat das Orient-Netzwerk e.V. bereits im Wintersemester 2010/2011 erfolgreich zusammengearbeitet. Die namhaften Referenten sind im wissenschaftlichen Bereich tätig oder haben sich in der aktuellen Debatte zum Thema Islam engagiert und genießen Bekanntheit weit über ihr Tätigkeitsfeld hinaus.


Die Vortragsreihe „Islam in der Moderne” hat sich zum Ziel gesetzt, der Öffentlichkeit eine Chance zu bieten, sich umfassend zu diesem Thema zu informieren und eigene Vorstellungen zu entwickeln. Wir möchten die Themenvielfalt der islamwissenschaftlichen Forschung einem breiten Publikum zugänglich machen und damit einen Beitrag zum Abbau von Vorurteilen leisten. Die Vortragsreihe soll aus unterschiedlichen Perspektiven vielfältige Aspekte aufgreifen und sich sowohl an Studierende als auch an außeruniversitäre Kreise richten.

 

Die Vorträge der Reihe:

05. Mai 2011, 18.00 c.t.
Prof. Dr. Gudrun Krämer
Leiterin des Instituts für Islamwissenschaft der FU Berlin
Islam oder Islamismus? Die ägyptischen Muslimbrüder in Theorie und Praxis


09. Mai 2011, 20.00 c.t.
Aiman Mazyek
Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland
Warum haben wir Angst vorm „schwarzen Mann” - Islam in Europa


16. Mai 2011, 20.00 c.t.
Prof. Dr. Dr. Bernhard Uhde
Fachbereich für Religionswissenschaft und Religionstheologie an der Universität Freiburg
Islam — Unaufgeklärt?
Aufklärende Bemerkungen zum Verhältnis Islam — Moderne

 

18. Juli 2011, 20.00 c.t.
Hamed Abdel-Samad
deutsch-ägyptischer Politikwissenschaftler und Autor
Über sein Werk „Der Untergang der islamischen Welt”

 

 

 

Berichte zur Reihe

Islam oder Islamismus? Die ägyptischen Muslimbrüder in Theorie und Praxis

Zum Auftakt der Vortragsreihe „Islam in der Moderne” hielt am Donnerstag, den 05. Mai 2011, die Islamwissenschaftlerin Frau Prof. Dr. Gudrun Krämer einen Vortrag zum Thema „Islam oder Islamismus? Die ägyptischen Muslimbrüder in Theorie und Praxis”. Die Vortragsreihe „Islam in der Moderne” besteht aus vier Vorträgen über Wesen und Rezeption des Islam in unserer Zeit und wurde vom Orient-Netzwerk e. V. in Zusammenarbeit mit dem Colloquium politicum der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br. organisiert. Die Aktualität des Themas und das Renommee der Referentin lockten zahlreiche Besucher an: Der Hörsaal der Universität Freiburg war mit circa 220 Personen gut gefüllt, neben vielen Studenten waren auch etliche Bürger der „städtischen Bevölkerung” anwesend, was Frau Prof. Dr. Gudrun Krämer zu Beginn ihres Vortrags entsprechend zu würdigen wusste.

Eloquent und kompetent führte die Leiterin des Instituts für Islamwissenschaft an der Freien Universität Berlin die interessierten Zuhörer in die Komplexität der Thematik ein, indem sie zu Beginn den Bezug zu den aktuellen Ereignissen in der arabischen Welt herstellte. Anschließend ging sie ausführlich auf die Geschichte und Entwicklung der Muslimbruderschaft in Ägypten ein - von der Gründung im Jahre 1928 bis zu einer Einschätzung ihrer jetzigen Situation im Rahmen der „Bewegungen” in der arabischen Welt.

Im Anschluss an den Vortrag bestand die Möglichkeit, Fragen zu stellen, welche die Besucher ausgiebig nutzten. Frau Prof. Dr. Gudrun Krämer beantwortete alle Fragen in zugewandter Weise und mit großem Kenntnisreichtum.


Autorin: M.Fischer

Warum haben wir Angst vorm schwarzen Mann? — Islam in Europa

Als zweiter Referent der Vortragsreihe „Islam in der Moderne”, die vom Orient- Netzwerk e.V. in Zusammenarbeit mit dem Colloqium politicum der Albert-Ludwigs- Universität Freiburg i. Br. organisiert wird, hielt am Montag, den 09. Mai 2011, der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, einen Vortrag zum Thema „Warum haben wir Angst vorm schwarzen Mann? Islam in Europa”. Die gegenwärtige Aktualität dieser Debatte lockte zahlreiche Besucher in den abermals gut gefüllten Hörsaal der Universität Freiburg. So waren auch bei diesem Vortrag nicht nur Studierende, sondern auch Besucher der „städtischen” Bevölkerung anwesend, rund 200.

Herr Mazyek wies in seiner Rede darauf hin, dass das Bild, das hierzulande über den Islam und muslimische Mitbürger herrsche, leider von durch Medien verursachte Vorurteile geprägt sei. Er wünsche sich, dass mehr über die Beispiele gelungener Integration und friedlichem Zusammenleben berichtet werde und appellierte an die Zuhörer, offener auf Muslime zuzugehen. Weiterhin kam er darauf zu sprechen, dass der Islam eine lange Geschichte in Europa habe: „Unser Abendland steht auf morgenländischen Beinen.” Zuletzt gab er den Zuhörern eine kurze Einführung darin, was Islam und Muslimisches Leben bedeutet, wobei er vor allem auf den Koranvers (Sure 2:256) „Es gibt keinen Zwang im Glauben” hinwies und vor Übertreibung in der Religion warnte, denn jedes Feindbild habe auch ein Spiegelbild. Der Islam, so lautete sein Fazit, sei auch durch seine real hier lebenden Muslime ein Teil Deutschlands. Der Vortrag gab den Zuhörern viel Anlass zur Diskussion, somit wurde die Möglichkeit einer Fragerunde im Anschluss von den Besuchern rege und kontrovers genutzt.

Autorin: R. Junker

„Islam — Unaufgeklärt? Aufklärende Bemerkungen zum Verhältnis Islam — Moderne”

Im Rahmen der Vortragsreihe „Islam in der Moderne” hielt am Montag, den 16. Mai 2011, der Religionswissenschaftler und katholische Theologe Herr Prof. Dr. Dr. Bernhard Uhde einen Vortrag zum Thema „Islam — Unaufgeklärt? Aufklärende Bemerkungen zum Verhältnis Islam — Moderne”. Die Vortragsreihe „Islam in der Moderne” besteht aus vier Vorträgen über Wesen und Rezeption des Islam in unserer Zeit und wurde vom Orient-Netzwerk e. V. in Zusammenarbeit mit dem Colloquium politicum der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br. organisiert. Wie bereits bei den ersten beiden Vorträgen der Vortragsreihe „Islam in der Moderne” war auch dieses Mal der Hörsaal der Universität Freiburg sehr gut besucht, etwa 230 Zuhörer — Studenten, Universitätsangehörige und interessierte Bürger — folgten den Ausführungen von Herrn Prof. Dr. Dr. Bernhard Uhde.

Dieser ging zunächst auf die Begriffe der Vortragsreihe „Islam” und „Moderne” ein, wobei er deutlich machte, dass der „Islam” kein monolithisches Gebilde darstelle und die „Moderne” ein abendländischer Begriff sei, dessen Übertragung auf andere Kulturen und Religionen zu hinterfragen sei. Nach einem Überblick über die Geistesgeschichte des Abendlandes mit ihren drei zentralen Etappen Antike, Mittelalter und Neuzeit, zeigte Herr Uhde, dass der Islam Aspekte aller drei Zeitalter in sich vereine: Zum einen bewahre er die Idee eines zeitlosen, gleichbleibenden Prinzips, zum anderen gründe er sich aber auch auf einen freien Verstand, der die Widerspruchsfreiheit zur Grundlage seines Wissens mache. Im Anschluss an den interessanten Vortrag wurden viele Fragen gestellt, die deutlich machten, dass das Publikum aufmerksam und kritisch den Ausführungen von Herrn Prof. Dr. Dr. Bernhard Uhde gefolgt war.


Autorin: M. Fischer

„Der Untergang der islamischen Welt. Eine Prognose.”

Im Rahmen der Vortragsreihe „Islam in der Moderne” hielt am Montag, 18. Juli 2011, der deutschägyptische Politikwissenschaftler und Autor Hamed Abdel-Samad einen Vortrag zu seinem im Herbst des letzten Jahres erschienen Werkes „Der Untergang der islamischen Welt. Eine Prognose”. Abdel-Samads Vortrag bildete zugleich den Abschluss der Vortragsreihe über Wesen und Rezeption des Islam in unserer Zeit, welche vom Orient-Netzwerk e.V. in Zusammenarbeit mit dem Colloquium politicum der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i.Br. organisiert wurde. Wie auch bei den drei vorhergehenden Vorträgen war der Hörsaal der Universität sehr gut besucht, interessiert folgten die über 250 ZuhörerInnen - wiederum ein bunter Mix aus städtischer Bevölkerung und Studierender — den Ausführungen Hamed Abdel-Samads.

Dieser ging zunächst auf die Beweggründe seiner doch provokativen Prognose ein, wobei er dabei deutlich machte, dass die islamische Welt kein geographisch oder politisch homogenes Gebilde sei, sondern er sie als eine bestimmte Geisteshaltung sehe, die dem Westen ablehnend gegenüber stehe. Diese Haltung, sowie wirtschaftliche und politische Faktoren bedingten den Untergang der islamischen Welt. Zudem ging er auf die Geschichte des Islam ein, den er in seiner Blütezeit als selbstbewusst und offen definierte, im Laufe der Zeit habe es sich jedoch eine Denkweise entwickelt, die sich vom Fortschritt distanzierte und kritisches Denken unterband. Die politisch-juristische Seite des Islam habe zudem eine Mauer zum Westen aufgebaut. Heute befände sie sich in einem Kulturkampf und stehe zwischen den Möglichkeiten einer geistigen Erstarrung oder einer Öffnung, die aber Konsequenzen mit sich trage. Auch lassen die neueren Entwicklungen in der islamischen Welt eine Voraussage über deren Zukunft — Umbruch oder Zusammenbruch — nicht zu. Die islamischen Länder seien wie ein nach einem Erdbeben zerstörten Haus, bei dem nun entschieden werden müsse, ob man es aus seinen Trümmern oder auf neue Weise aufbauen solle. Im Anschluss bestand dem Publikum wiederum die Möglichkeit, Fragen zu stellen, was vom Publikum ausgiebig genutzt wurde. Hamed Abdel-Samad beantwortete alle Fragen wortgewandt und überlegt.

Autorin: R. Junker

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