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Jüdisches und muslimisches Gemeindeleben in Straßburg

In Kooperation mit der Judaistik und dem Studium generale der Universität Freiburg.

 

Das Orient-Netzwerk e.V.bietet in Kooperation mit der Judaistik und dem Studium Generale der Albert-Ludwigs-Universität eine Exkursion nach Straßburg an, bei der wir eine jüdische und eine muslimische Gemeinde der Stadt besuchen werden. Nach der Ankunft in Straßburg erhalten wir eine Führung durch die Grande Mosquée de Strasbourg . In der Mittagspause steht genug Zeit zur freien Verfügung, um eine warme Mahlzeit in der Nähe der Grande Synagogue de La Paix einzunehmen, welche uns anschließend von einem ein Gemeindemitglied gezeigt und erläutert wird. Zum Abschluss erhalten die Teilnehmer die Möglichkeit, selbstständig die Straßburger Innenstadt zu erkunden. Hier bietet sich insbesondere ein Besuch des Straßburger Münsters oder des seit 1570 bestehenden Weihnachtsmarktes an, der mit seinen 300 Ständen an elf Standorten zu einem der größten Weihnachtsmärkte in Europa zählt.


Wir möchten darauf hinweisen, dass aus Sicherheitsgründen leider keine Taschen in die Synagoge mitgenommen werden dürfen und Bildaufnahmen untersagt sind. Des Weiteren wird der Personalausweis benötigt. Herren sollten eine Kopfbedeckung mitbringen.  


Nach Anmeldeschluss werden wir uns bei allen Teilnehmern bezüglich weiterer Informationen melden. Hierzu ist es wichtig, dass Sie bei der Anmeldung eine gültige E-Mail Adresse hinterlassen, die Sie auch regelmäßig abrufen.


Termin: Donnerstag, den 11.12.2014 Treffpunkt: 07.45 Uhr vor dem Konzerthaus FR Rückkehr: ca. 19:30 Uhr vor dem Konzerthaus FR Teilnahme: max. 48 Personen Gebühr: Studierende 24,- € / Nichtstudierende 30,- € (inkl. Führungen und Busfahrt) Anmeldeschluss: 13.11.2014 

Bericht zur Exkursion

Jüdisches und muslimisches Gemeindeleben in Straßburg

Am 11.12.2014 fand eine Exkursion nach Straßburg zum Besuch der dortigen großen Moschee und der Synagoge statt, die das Ziel hatte, den Teilnehmern einen Einblick in das jüdische und muslimische Gemeindeleben der Stadt zu bieten. Den Anstoß hatte eine Idee des Orientnetzwerks e.V. gegeben, geplant und organisiert wurde die Veranstaltung schließlich in Kooperation mit der Judaistik und dem Studium generale der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.
Pünktlich um 7:45 trafen sich die insgesamt 48 Teilnehmer, darunter viele Studenten der Judaistik, vor dem Konzerthaus Freiburg und fuhren eine Viertelstunde später nach Straßburg ab. Im Anschluss an die Begrüßung durch unser Mitglied Raban Kluger gab Prof. Dr. Oberhänsli vom Lehrstuhl für Judaistik eine kurze Einführung zur Geschichte der Juden im Elsass. Gegen 9:00 Uhr erreichten wir die „Grande Mosque” in Straßburg, wo uns zuerst ein Gemeindemitglied empfing und zu Beginn einige grundlegende Informationen über das Gebäude gab. Die finanziellen Mittel zu dessen Bau stammten vor allem von der lokalen Gemeinde, aus öffentlichen Mitteln sowie aus Beiträgen Marokkos, Saudi-Arabiens und Kuwaits. 

Nach dem Betreten des Gebäudes wurden wir zuerst in die Waschräume geführt, wo uns die vor dem Gebet verpflichtende rituelle Waschung demonstriert und erläutert wurde. Anschließend wurde die Führung durch einen weiteren Angehörigen der Gemeinde fortgesetzt, der uns zunächst über den Entstehungsprozess der Moschee und deren architektonische Bedeutung aufklärte. Geplant wurde das Gebäude von dem Italiener Paolo Portoghesi, der bereits am Bau der bedeutendsten Moschee in Rom beteiligt war. Die einzigartige Architektur soll Unabhängigkeit demonstrieren, vereint aber zugleich lokale (Sandstein) und klassisch-islamische Elemente (Kuppel) in sich. Die äußere Form erinnert dabei an eine Rose, die sich zum Himmel hin öffnet. Der gesamte Innenraum kommt ohne eine einzige Säule aus, wodurch ein Gefühl der Weite erzeugt wird. Einzigartig für ein muslimisches Bauwerk sind die Stahlstreben, die die zentrale Kuppel stützen. Eröffnet wurde das Gebäude im Jahr 2012 im Beisein des französischen Innenministers, des marokkanischen Religionsministers und des Oberrabbiners von Straßburg. 

Die Innenwände sind reich verziert durch umlaufende Mosaike mit traditionellen marokkanischen Mustern, die nicht maschinell gefertigt wurden, sondern in traditioneller Handarbeit in einer Manufaktur in Fez entstanden. Darüber verläuft ein monumentales Wandfries, das die Verse 35-37 aus Sure 24 (Das Licht) zitiert.
Anschließend wurden wir auf die Empore geführt, die für weibliche Besucher reserviert ist und einen guten Blick auf den gesamten Innenraum bietet. Zusätzliche Bildschirme ermöglichen die Übertragung des Geschehens im Erdgeschoss. Abschließend wurde uns noch das rituelle Pflichtgebet demonstriert, bevor wir wieder zum Ausgang geleitet wurden. 

Im Anschluss wurde die gesamte Gruppe ins Stadtzentrum gefahren, wo fast zwei Stunden zur individuellen Verfügung standen und die Einnahme des Mittagessens möglich war. Die Synagoge hatte uns zur Einstimmung bereits im Voraus mehrere koschere Restaurants und Pâtisserien im näheren Umkreis empfohlen. Um 14:00 trafen sich alle wieder vor der Friedenssynagoge (Synagogue de la Paix), die direkt am Parc du Contades im Zentrum Straßburgs liegt. Da unser eigentlicher Führer leider noch nicht vor Ort war, führte uns zunächst eine Gemeindemitarbeiterin in die Synagoge und beantwortete zunächst einige allgemeine Fragen, wobei Frau Oberhänsli wieder ins Deutsche übersetzte. Nach kurzer Zeit kam dann Gérard Dreyfus, der als Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Straßburgs fungierte und uns auf Deutsch über das Gebäude und die Gemeinde informierte. Die Synagogue de la Paix ist die zweitgrößte Synagoge Europas und bietet Platz für ca. 1.700 Personen. Errichtet wurde sie 1954 als Ersatz für die 1940 im Zuge der deutschen Besatzung zerstörte alte Synagoge am zentralen Place Kleber. Die jüdische Gemeinde der Stadt zählt ca. 15.000 Mitglieder, die unterschiedlichen religiösen Strömungen angehören, wobei die Bandbreite vom orthodoxen bis zum liberalen Spektrum reicht.
Neben aschkenasischen Juden leben in Straßburg auch viele Sepharden, die vor allem aus den ehemaligen französischen Kolonien in Nordafrika einwanderten. Heute sind sie sehr gut in das städtische Leben integriert, wie enge Kontakte zu den übrigen Konfessionen und Religionsgemeinschaften der Stadt belegen. Abschließend beantwortete Herr Dreyfus noch einige Fragen und um 16:00 Uhr fuhren wir zum Parc de l'étoile. Von dort aus konnten die Teilnehmer die Stadt eigenständig zu Fuß erkunden und es gab ausreichend Zeit, den berühmten Straßburger Weihnachtsmarkt zu besuchen, bevor sich um 18:00 Uhr alle zur Rückfahrt nach Freiburg versammelten.


Autor: J. Bork

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