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3 Frauen | 3 Religionen

Leitende Funktion und Gelehrsamkeit im Dienst der Religionen Judentum, Christentum und Islam


In Zusammenarbeit mit dem Colloquium politicum der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br. und dem Carl-Schurz-Haus Freiburg.

 

Die Freitagspredigt eines Imam, die Bischofskonferenz, die Thora-Lesung durch einen Rabbiner: Geistliche Leitung und Gelehrsamkeit in Islam, Christentum und Judentum scheinen von Männern dominiert zu sein. Die vermeintliche Unterordnung und Ungleichbehandlung der Frau in diesen drei Religionen ist ein kontrovers diskutiertes Thema.

Historische Quellen belegen jedoch, dass Frauen in allen drei abrahamitischen Religionen eine bedeutende Rolle in Führerschaft und Gelehrsamkeit spielten. Im Alten Testament wird die besondere Rolle der Richterin Debora und Esther erwähnt, die die Juden vor der Vernichtung in Persien rettete. Im Neuen Testament erfährt man von Phoebe, einer Diakonin aus Korinth, und von Priska, die mit ihrem Mann zusammen der römischen Gemeinde einen Versammlungsort zur Verfügung stellte. Die bekannte Islamwissenschaftlerin Annemarie Schimmel sowie die islamische Feministin Fatima Mernissi bringen den Zugang zu Bildung in Zusammenhang mit der allgemeinen Stellung der Frau in islamischen Gesellschaften. Dass Frauen über ihre „verbrieften Rechte” aus Koran und Sunna im Unklaren gelassen werden und in den häuslichen Bereich gedrängt wurden, ist nach Mernissi und Schimmel eine jüngere, soziale Entwicklung in islamischen Gesellschaften und nicht Gedanke der Religion. Wie steht es um die Auseinandersetzung mit dieser theologischen Argumentation? Wie schätzen Frauen selbst ihre Position in den Religionen ein? Welche Chancen und Herausforderungen sehen sie?

Das Colloquium politicum und das Orient Netzwerk e.V. möchten mit zwei Veranstaltungen die Rolle von weiblicher Gelehrsamkeit und Führerschaft in Judentum, Christentum und Islam diskutieren. In einem einführenden Vortag wird Prof. Dr. Bernhard Uhde allgemeine Informationen zur Rolle der Frau in der Historie von Religionen geben. Am Trialogabend werden dann drei Frauen aus den drei Religionen zu Wort kommen.

 

Die Vorträge der Reihe:

07. Mai 2013, 20.00 c.t., HS 1199, KG I
Prof. Dr. Dr. Bernhard Uhde
(Universität Freiburg, Theologische Fakultät, Institut für Systematische Theologie)
FRAUEN — RELIGIÖS? GELEHRT? VERANTWORTLICH?
Bedeutende Frauen und Bedeutung von Frauen in Judentum, Christentum, Islam


04. Juli 2013, 18.00 c.t., Aula, KG I
Halima Krausen
(Islamische Theologin an der Imam-Ali-Moschee in Hamburg)
Esther Jonas-Märtin
(Rabbinats-Kandidatin, z.Zt. Praktikantin an der jüdischen Kultusgemeinde in Göttingen)
Andrea Busse
(Pastorin an der Kirche St. Katharinen in Hamburg)
Trialogabend: 3 Frauen | 3 Religionen


Wir möchten uns bei allen Zuhörern und Zuhörerinnen entschuldigen, die durch die Verwirrung um die Veranstaltungzeit erst um 20 Uhr zur Aula gekommen sind. Für all diejenigen, die deshalb den Trialogabend verpasst haben, stellen wir hier eine Audioaufnahme des Abends als mp3-Datei zum Herunterladen zur Verfügung. 

Berichte zur Reihe

FRAUEN — RELIGIÖS? GELEHRT? VERANTWORTLICH? Bedeutende Frauen und Bedeutung von Frauen in Judentum, Christentum, Islam

Mit seinem Vortrag über „Bedeutende Frauen und Bedeutung von Frauen in Judentum, Christentum und Islam” eröffnete Prof. Dr. Dr. Bernhard Uhde die Veranstaltungsreihe „3 Frauen — 3 Religionen” in der es um leitende Funktion und Gelehrsamkeit von Frauen in den drei abrahamitischen Religionen geht. Prof. Uhde deutete mit seinem Vortrag auf sensible Aspekte der Thematik hin und bot einen Einblick in die Geschichte von weiblicher Gelehrsamkeit in Judentum, Christentum und Islam. Hiermit stellt seine Einführung eine solide Grundlage für den am 4. Juli stattfindenden Trialog-Abend zu dem Imamin Halima Krausen, Pfarrerin Andrea Busse und Rabbinerin Bea Wyler eingeladen sind.

Nachdem Prof. Uhde erläuterte, dass „das Männliche” in der Überlieferung der Traditionen dominant ist, stellte er die Frage, was „das Weibliche” in den Religionen sei. Um diese Frage zu beleuchten, müsse man sich zunächst darüber im Klaren sein, dass sich „männlich” und „weiblich” komplementär zueinander verhalten und nicht gleichzusetzen sind. Rein biologisch gebe es bedeutende Unterschiede zwischen Männern und Frauen. „Der Mann” sei beispielsweise der physisch stärkere, sodass „die Frau” oft als schwach wahrgenommen werde. In den Traditionen von Judentum, Christentum und Islam würden die vermeintlich schwächeren Frauen sich durch besondere Stärke hervortun. Als physisch Schwächere setzten (und setzen) sie sich gegen die weltliche (von Männern dominierte) Macht durch — dadurch wird die Schwäche gebrochen. Dies stellte Uhde anhand dreier eindrücklicher Portraits einer bedeutenden Jüdin, sowie Christin und Muslima dar. In der Erläuterung dieser Beispiele stellte Uhde dabei die These auf, dass im Judentum die Gelehrsamkeit Voraussetzung für die Gottesliebe sei, während im Christentum die Gottesliebe Voraussetzung für Gelehrsamkeit und im Islam beides identisch sei. Bei diesen Ausführungen wurde deutlich, dass sowohl Gelehrsamkeit als auch spirituelle Erfahrungen essentielle Bestanteile für religiöse Autorität (von Frauen) darstellen — nicht etwa physische Kraft. Besonders weil Frauen den Männern physisch unterlegen seien, seien sie ihnen mental häufig überlegen. Die Handlungsfähigkeit und Verantwortlichkeit von Frauen in Religionen sei von großer Bedeutung und würde oft unterschätzt. Nicht die Religionen (an sich), sondern die staatlichen und religiösen Institutionen grenzen Frauen aus.


Autorin: M.Fischer

Trialogabend

Nachdem Prof. Dr. Dr. Bernhard Uhde am 7. Mai die "Leitende Funktion und Gelehrsamkeit von Frauen in den drei abrahamitischen Religionen" (hier zum Bericht) dargelegt hatte, trafen am 4. Juli 2013 eine Imamin, eine Rabbinatskandidatin und eine evangelische Pastorin in der Aula der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg zusammen und ließen sich von der Moderatorin Mirjam Lücking durch den Trialogabend führen. Sie sprachen über ihre Ausbildung, ihre persönlichen Beweggründe, ein solches geistliches Amt zu übernehmen und auszuüben, ihre Aufgaben und täglichen Aktivitäten, die Unterschiede zu Männern in gleicher Position und zur Akzeptanz und Fremdwahrnehmung ihres Amtes. 

Wie auch schon von Prof. Uhde ausgeführt, erklärten die drei Gäste, dass die Rolle der Frau in Religionen nicht in erster Linie durch theologische Regeln, als vielmehr durch den kulturellen Kontext geprägt ist. So ist jüdische Kultur (und damit die Rolle der Frau) in den USA anders als in Israel oder Deutschland, eine deutschstämmige Imamin in Hamburg begegnet anderen Herausforderungen als Muslimas in Asien, die Rolle der Pfarrerin unterscheidet sich ebenfalls je nach Region. Inwiefern Religion je nach Kontext instrumentalisiert wird, um gesellschaftliche Rollenzuweisungen zu legitimieren, war dabei eines der diskutierten Themen. Dass viele Bilder über Frauen in Religionen von Missverständnissen und Vorurteilen geprägt sind, wurde durch die sehr lebendigen Einblicke in eine Vielen unbekannte Welt deutlich, und das Publikum nahm später dankbar die Gelegenheit wahr, den drei Frauen zusätzliche Fragen zu stellen.
Da die Veranstaltung in den Medien mit unterschiedlichen Anfangszeiten beworben wurde, konnten leider nicht alle Hörer den Trialogabend genießen. Aus diesem Anlass können sich Interessierte die Aufzeichnungen des Abends hier anhören. Wir entschuldigen uns noch einmal für dieses Missgeschick und hoffen, Sie in Zukunft dennoch wieder bei unseren Veranstaltungen begrüßen zu dürfen.

Bedanken möchten wir uns noch einmal herzlich bei unseren Kooperationspartnern, dem Colloquium politicum der Universität Freiburg und dem Carl-Schurz Haus/Deutsch-Amerikanisches Institut e.V.

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