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Sachbericht zur deutsch-ägyptischen Jugendkonferenz „Yes you can”

1. Projektdurchführung

Der Verein Akija-Nahost e.V. veranstaltete vom 17. bis 23. Oktober eine deutsch-ägyptische Jugendkonferenz in Zusammenarbeit mit dem Orient-Netzwerk Freiburg.
Die Jugendkonferenz bot vor allem die Möglichkeit der Begegnung: 22 ägyptische und 22 deutsche Jugendliche und junge Erwachsene mit unterschiedlichem kulturellem und religiösem Hintergrund trafen sich, um sich in englischer Sprache über ihre Lebenswirklichkeiten und Erfahrungen auszutauschen. Dabei wurde das gesellschaftliche Engagement in beiden Kulturkreisen und das Thema Religion/Religiosität zentral in den Blick genommen. Die Teilnehmer konnten eine Erfahrung der Begegnung mit einer fremden Kultur und mit einer fremden Religion machen. Die gewonnenen Erkenntnisse, Forderungen und Wünsche wurden schließlich als Statements formuliert und im Rahmen einer durch das katholische Hilfswerk „Missio” in München veranstalteten Podiumsveranstaltung über die Lage in Ägypten der Öffentlichkeit präsentiert. Gefördert wurde die Veranstaltung durch Zuschüsse des Auswärtigen Amtes und des KJP.

Vorbereitung

Zur Vorbereitung der deutsch-ägyptischen Jugendkonferenz mit den zwei geplanten Standorten Bistum Eichstätt (Kloster St. Josef, Neumarkt) und Bistum Freiburg (Studienhaus Wiesneck, Buchenbach) gab es ein Vorbereitungstreffen des Akija e.V. und des Orient-Netzwerks Freiburg vom 27. bis 29. Juni 2013 in Freiburg. Zu diesem Zeitpunkt stand bereits das Grundgerüst für das Programm und auch die finanzielle Kalkulation und das Schreiben der Anträge waren weitgehend abgeschlossen.
Wie angedacht, wurde dort das Programm näher besprochen und die Themenverteilung festgelegt: Selbstbild/Fremdbild mit persönlichen Zeugnissen, Muslim-/Christ-Sein in Deutschland und Ägypten, Rolle der Medien bei Engagement und Freizeit. Für die Kooperation mit der missio-Diözesanstelle Freiburg, dem Islamischen Zentrum und dem Kino „Kandelhof” wurde der Film „Nach der Revolution” ausgewählt. Für besonders wichtig wurde gehalten, dass die Jugendlichen während der Konferenz viel von ihren Erfahrungen berichten können und dass die Perspektive der Jugendlichen öffentlich gemacht wird. Für das Programm im Bistum Eichstätt wurden im Themenfeld Religion und Religiosität (Spiritualität) die Frage nach der Rolle der Religion für mich und in meinem Land für die Jugendlichen in den Mittelpunkt gestellt, damit eine Sprechfähigkeit über Werte und religiöse Vorstellungen eingeübt werden kann.
Auch die Unterstützung bei der Vorbereitung der Konferenz durch das Orient-Netzwerk Freiburg wurde im Rahmen dieses Planungstreffens am 28.06.2013 beschlossen. Der Schwerpunkt des Orient-Netzwerks lag in der Ausgestaltung des Programms, der Organisation vor Ort und schließlich in der logistischen Unterstützung und Leitung der Konferenz. Dazu fanden regelmäßige Koordinierungstreffen statt, die teilweise per Skype erfolgten. Dazu kam die Aufgabe, einen Vortrag zum Thema „Medien in Ägypten” zu organisieren. Es gelang dem Orient-Netzwerk, Esther Saoub als Referentin (Journalistin des SWR mit Korrespondententätigkeit in Ägypten) zu gewinnen, deren Beitrag ein großer Gewinn für die Konferenz war. Auch an der Gestaltung des Begleitprogramms war das Orient-Netzwerk beteiligt, etwa indem eine historische Stadtführung durch Freiburg organisiert wurde.
Als Bürde erwies sich der Umstand, deutsche Teilnehmer für die Konferenz zu gewinnen. Dies lag möglicherweise daran, dass die Konferenz an vier Werktagen stattfand und es für mögliche Interessenten eventuell nicht ganz einfach war, eine Freistellung von der Schule oder der Universität zu erlangen. Eine gewisse Rolle mag auch die Konferenzgebühr in Höhe von 220,- € gespielt haben, die möglicherweise abschreckend wirkte. Aufgrund der zu geringen Teilnehmermeldungen war es lange Zeit fraglich, ob die Konferenz überhaupt stattfinden würde, was angesichts der bereits investierten Arbeit und der bewilligten Mittel sehr schade gewesen wäre. Aus diesem Grund wurde die selbstgesetzte Frist zur Absage der Konferenz zwei Mal vertagt und erst durch persönlichen Einsatz gelang es schließlich, genügend interessierte Teilnehmer zu gewinnen.
Ursprünglich war geplant, die Konferenz an zwei Orten zeitgleich zu veranstalten. So sollten sich in Freiburg und im Bistum Eichstätt jeweils eine deutsche und eine ägyptische Gruppe treffen, die dann erst in München vereint worden wären. Aufgrund der zu geringen deutschen Teilnehmermeldungen wurde diese Planung aber verworfen und die Konferenz in Freiburg konzentriert, was sich auch angesichts der begrenzten Kapazitäten auf Seiten des Leitungspersonals als vorteilhaft erwies. Auch das geplante Vorbereitungsseminar für die deutschen Teilnehmer, das vom 11. bis 13.10.13 auf Burg Rothenfels/Lohr am Main stattfinden sollte, wurde mangels Teilnehmern abgesagt.

Durchführung

Donnerstag, 17.10.2013

Die Konferenz begann offiziell um 15:00 mit der Anreise der deutschen Teilnehmer, die in einer thematischen Einheit auf die Konferenz vorbereitet wurden, in der sie sich mit den jüngsten politischen Ereignissen in Ägypten beschäftigten. Dazu bildeten die Teilnehmer Kleingruppen und erhielten verschiedene Texte, die sie zunächst innerhalb ihrer Gruppe diskutierten und anschließend im Plenum vorstellten. Nach der Ankunft der ersten Gruppe der ägyptischen Teilnehmer und dem Abendessen führten wir einige Kennenlernspiele durch, um den Austausch zwischen deutschen und ägyptischen Teilnehmern zu fördern und die erste Kontaktaufnahme zwischen beiden Gruppen zu erleichtern. Danach wurde das Programm für die gesamte Konferenz vorgestellt und der Ablauf detailliert erläutert. Ab 22:00 begann die Nachtruhe. Vor allem die ägyptischen Teilnehmer waren sehr müde, da sie aufgrund der Ausgangssperre eine Nacht am Flughafen in Kairo verbracht hatten und deshalb insgesamt 24 Stunden für die Anreise benötigten. Um 22:00 traf außerdem die zweite ägyptische Gruppe mit gemieteten PKW ein, die von einigen deutschen Teilnehmern aus Eichstätt vom Flughafen in München abgeholt worden waren. Es stellte sich heraus, dass von den 24 angemeldeten ägyptischen Teilnehmern zwei Personen aufgrund des noch nicht abgeleisteten Wehrdienstes leider keine Ausreisegenehmigung erhalten hatten und in Ägypten geblieben waren.

Freitag, 18.10.2013

Der Tag begann mit einigen Spielen zum weiteren Kennenlernen, um die Atmosphäre aufzulockern und den Austausch anzuregen. Danach stellten wir zunächst das Leitungspersonal vor, anschließend wurde zur Orientierung erneut das Programm erläutert, bevor wir ein „Low-Tech-Social-Network” konstruierten. Dazu fertigte jeder Teilnehmer auf einem A5-Papier einen kleinen persönlichen Steckbrief mit einigen frei wählbaren Informationen zu seiner Person und einem selbstgemalten Portrait an. Diese Persönlichkeitsprofile (wie in sozialen Netzwerken) wurden alle auf ein ca. 2 m x 3 m großes Plakat geklebt und die Teilnehmer erhielten die Aufgabe, Linien zwischen ihrem Profil und dem jener Personen zu zeichnen, zu denen irgendeine Form an Verbindung bestand. Hier wird der Austauschcharakter der Jugendkonferenz sehr deutlich. Das Netzwerk wurde die gesamte Konferenz über ergänzt. 

Anschließend stand das Thema „Gesellschaftliches Engagement” im Mittelpunkt. Dazu wurden die Teilnehmer in vier Gruppen eingeteilt, die sich jeweils gesondert trafen. Innerhalb der Kleingruppen erhielt jeder die Gelegenheit, sein ehrenamtliches Engagement vorzustellen, wobei deutlich wurde, dass viele karitativ tätig waren und sich beispielsweise um Straßenkinder und pflegebedürftige Senioren kümmerten, Nachhilfestunden gaben, als Sternsinger aktiv waren oder sich in der kirchlichen Jugendarbeit engagierten. Nach der Präsentation der einzelnen Tätigkeiten durfte sich jeder kurz zur Motivation für sein gesellschaftliches Engagement äußern und anschließend erläutern, welche konkreten Auswirkungen er sich davon für sein Leben und die Gesellschaft erhofft. Die Ergebnisse wurden gesammelt, sortiert und auf einem Plakat festgehalten. Nach ca. 1 Stunde versammelten sich alle Gruppen wieder im Konferenzraum und präsentierten die gesammelten Resultate im Plenum. 

Nach dem Mittagessen wurde der Film „Tracks of Cairo” gezeigt, der unterschiedliche Akteure der Kairoer Musikszene kurz vor und während des politischen Umbruchs Anfang 2011 portraitiert. Alternativ erhielten muslimische Teilnehmer die Gelegenheit zum Freitagsgebet. Dazu wurden fünf Personen um 12:30 zum „Islamischen Zentrum” in Freiburg gefahren und kehrten erst während des Films zurück.
An den Film schloss sich eine rege Diskussion an, vor allem deshalb, weil sich einige ägyptische Teilnehmer nicht mit den gezeigten, teilweise sehr alternativen, Musikern identifizieren konnten und es kritisch sahen, dass diese ihr Land repräsentieren sollten. Zudem herrschte Uneinigkeit darüber, wie die Ereignisse im Sommer 2013 zu bewerten seien. Aus Sicht vieler, aber nicht aller ägyptischer Teilnehmer wurden sie als zweite Revolution gewertet, während eine Minderheit der Ägypter eher von einem Putsch sprechen wollte. Diese politischen Themen waren für die deutschen Teilnehmer sehr interessant und sie fragten interessiert nach. Einzelne Themenbereiche wurden dann in Kleingruppen weiter ausdiskutiert. 

Nach dieser intensiven Diskussion gab es zunächst Abendessen, bevor das Programm mit dem „ägyptischen Abend” fortgesetzt wurde. Der Vorstellung des Landes Ägypten in einer Präsentation folgten volkstümliche Tänze in passenden Trachten. Später wurden alle Teilnehmer zu einem Volkstanz eingeladen und auch die deutschen Teilnehmer ließen sich gerne vom Schwung der Tänzer anstecken und beteiligten sich begeistert. Außerdem gab es ägyptische Musik und eine Präsentation mit zahlreichen Bildern aus dem Land.
Der zweite Teil des Abends verlief dagegen ruhiger und bot Gelegenheit zum Austausch. Bei Wasserpfeifen und orientalischen Snacks konnten sich alle Teilnehmer im Pavillon treffen und miteinander in Kontakt kommen. Bereits hier zeigte sich, wie schnell die Teilnehmer aufeinander zugingen und kulturelle Barrieren überwanden, sodass die Gespräche teilweise bis spät in die Nacht andauerten.

Samstag, 19.102013

Die Themen des Samstags waren kulturelle Differenzen und Gemeinsamkeiten. Dazu hatten wir Plakate zu den Themen Freizeit, Familie, Religion und Politik vorbereitet. Die Teilnehmer hatten nun die Möglichkeit, bei jedem Thema in einem Koordinatensystem anzugeben, wie wichtig ihnen einzelne Elemente des Themenbereichs waren. Nach dieser Bewertungsrunde bildeten wir wieder vier gemischte deutsch-ägyptische Gruppen, die sich jeweils mit einer Leitungsperson zurückzogen und über die dargestellten Ergebnisse diskutierten. Anschließend mussten sie zu einem anderen der vier Themen wechseln. Die Ergebnisse wurden abschließend kurz im Plenum besprochen. Dabei zeigte sich, dass es sowohl viele Gemeinsamkeiten, als auch deutliche Unterschiede gab. Im Bereich Religion war beispielsweise erkennbar, dass der persönliche Glaube sowohl den ägyptischen als auch den deutschen Teilnehmern sehr wichtig war. Im Gegensatz zu ihren ägyptischen Altersgenossen zeigten die Deutschen allerdings wenig oder kein Interesse an einer institutionalisierten religiösen Praxis und deren öffentlicher Präsentation. 

Anschließend gab es eine kurze Informationsveranstaltung, in der Pater Kamil Samaan, ein koptisch-katholischer Priester, vor allem für die deutschen Teilnehmer nochmals die Ereignisse vom Sommer 2013 darstellte und erläuterte, warum diese in Ägypten als zweite Revolution bezeichnet werden. Das darauffolgende Mittagessen fiel heute besonders kurz aus, da bereits um 13:00 der nächste Programmpunkt folgte, bei dem die Journalistin Esther Saoub, SWR-Reporterin, die lange das ARD-Hörfunkstudio in Kairo geleitet hatte, über die Rolle der Medien während der Umbrüche und den Medienkonsum von Jugendlichen in Ägypten berichtete. Ihr anschaulicher Vortrag wurde durch zahlreiche kurze Clips unterstützt, was vor allem die ägyptischen Teilnehmer begeisterte. Der Vergleich zum Medienkonsum in Deutschland erbrachte große Unterschiede: Hörfunk und Zeitungen spielen in Ägypten nur bedingt eine Rolle. 

Bereits um 14:00 musste die gesamte Gruppe zum Bahnhof in Himmelreich laufen, von wo aus wir mit dem Zug nach Freiburg fuhren. Dort ging es weiter mit der Straßenbahn, bevor wir schließlich das Kino „Kandelhof” erreichten. In Zusammenarbeit mit der missio-Diözesanstelle des Erzbistums Freiburg und dem Islamischen Zentrum wurde hier der ägyptische Film „Nach der Revolution” im arabischen Original mit deutschen Untertiteln gezeigt. Anschließend folgte eine Diskussionsrunde, bei der auch das Publikum Fragen stellen durfte. Unsere ägyptischen Teilnehmer zeigten hier reges Engagement, äußerten sich aber sehr unterschiedlich in der Bewertung des Films. Während einige den Eindruck hatten, dass die Ereignisse exemplarisch wiedergegeben worden seien, empfanden andere den Film als zu einseitig, da er die Revolution nur aus der Perspektive von zwei sehr spezifischen sozialen Gruppen zeigte, aber das allgemeine Gefühl in Ägypten nicht zum Ausdruck bringen konnte. Wieder andere waren der Meinung, der Regisseur habe versucht, zu viele Themen in seinem Film zu verarbeiten. Der Versuch, mit interessierten Leuten aus Freiburg ins Gespräch zu kommen, kann als gelungen bezeichnet werden.
Nach der Rückfahrt mit Straßenbahn und Zug folgte um 19:00 das Abendessen. Um 20:30 wurde das Programm mit einer Fackelwanderung fortgesetzt. Nur unter dem Licht der Fackeln wanderte die Gruppe zur Burg Wiesneck hinauf. Nach der Rückkehr bestand die Möglichkeit, den Abend bei Gesprächen im Pavillon ausklingen zu lassen.

Sonntag, 20.10.2013

Heute begann der Tag mit einem fakultativen Gottesdienst. Die Teilnehmer hatten bereits um 8:00 Uhr die Möglichkeit, in der Katholischen Kirche in Buchenbach eine Messe nach koptischem Ritus zu feiern, die von Pater Kamil auf Griechisch, Koptisch, Arabisch und Deutsch gelesen wurde.
Nach der Rückkehr ins Studienhaus gab es für alle Frühstück und um 9:30 begann das Programm. Drei Teilnehmer durften nochmals kurz ihr ehrenamtliches Engagement vorstellen, dann wurden jeweils zu zweit die Unterschiede für den persönlichen Einsatz in den beiden Ländern diskutiert. Die Zeugnisse der Jugendlichen und ihr großes Engagement haben bei allen Teilnehmern einen großen Eindruck hinterlassen. 

Zur Sicherung der Ergebnisse der Konferenz durften alle ihre Wünsche, Forderungen, Perspektiven und gewonnenen Erfahrungen auf Plakaten festhalten und diese anschließend nach Relevanz bewerten. Dabei kamen spannende Gespräche zwischen den Teilnehmern zustande. Abschließend wurden die Forderungen und Wünsche der Teilnehmer konkretisiert und mit allen abgestimmt, um sie als Kernaussagen für das öffentliche Statement verwenden zu können.
Wer wollte, erhielt schließlich auch die Gelegenheit, ein persönliches Statement abzugeben, das per Kamera aufgezeichnet wurde.
Zum Abschluss konnten sich die Teilnehmer gegenseitig Feedback geben mithilfe von Zetteln auf dem Rücken, auf dem ihm andere Teilnehmer ihre persönlichen Wünsche oder Kommentare schreiben durften. Auch ein Feedback zu Inhalt und Organisation wurde von allen Teilnehmern eingeholt.
Mit einer Stadtführung in Freiburg, bei der eine englischsprachige Fremdenführerin die mittelalterliche Stadt wieder lebendig werden ließ, endete der Tag. Der Abend klang anschließend noch mit interkulturellen Gesprächen im Pavillon des Tagungshauses aus.

Montag, 21.10.2013

Der heutige Tag begann bereits um 7:30 mit dem Frühstück und bereits eine Stunde später brachen die ersten in Richtung München auf. Während einige mit privaten oder gemieteten PKW reisten, fuhr der Rest der Gruppe mit dem Zug vom Bahnhof in Himmelreich nach Freiburg und stieg dort auf den ICE-Bus um, der direkt von Freiburg nach München fuhr.
In München waren wir im Jugendgästehaus des Jugendzentrums Salesianum der Salesianer Don Boscos untergebracht. 

Zur Vorbereitung der Abschlusskonferenz wurden die wichtigsten Punkte der Ergebnissicherung konkretisiert. Die Teilnehmer erhielten die Gelegenheit, sich die Themen der Konferenz nochmals ins Gedächtnis zu rufen und dabei über ihre Erfahrungen und Erkenntnisse zu reflektieren. Ziel dieser Einheit war es, zwei Statements zu formulieren, in denen die Teilnehmer ihre Perspektiven, Wünsche und Forderungen zum Ausdruck brachten, um diese öffentlichkeitswirksam zu artikulieren. Hierzu wurden zunächst zwei Gruppen eingeteilt, die sich intensiv mit den bisherigen Ergebnissen auseinandersetzten und sich darum bemühten, diese in die Statements einzuarbeiten. Als wichtigste Botschaft wurde hier der Wunsch nach besseren Bildungsmöglichkeiten als zentrales Kriterium für mehr soziale Gerechtigkeit deutlich. Bildung wurde auch als Schlüssel der aktuellen politischen Krise des Landes gewertet, da langfristig nur auf diese Weise eine friedliche Auseinandersetzung um den zukünftigen Weg des Landes vorstellbar sei und so ein Partizipation aller Bürger ermöglicht würde.
Für den Abend wurde in den Gemeinschaftsräumen unserer Unterkunft der „Bayerische Abend” vorbereitet und ab 20:30 gab es ein traditionelles bayerisches Menu, was bei den Teilnehmern hervorragend ankam. Nach dem gemeinsamen Abwasch nutzten einige Teilnehmer noch die Gelegenheit, die Stadt München zu erkunden.

Dienstag 22.10.2013

Heute startete das Programm nach dem Frühstück um 9:00 mit der Fortsetzung der inhaltlichen Arbeit an den Statements. In zwei Gruppen erarbeiteten die Teilnehmer die Vorlagen für zwei Teilnehmer. Inhaltlich und sprachlich wurde an ihnen in der Gruppe gefeilt, bis alle Teilnehmer dahinterstehen konnten. So ist eine echte Gemeinschaftsarbeit entstanden. Zwei Personen wurden zur Präsentation der Statements ausgewählt. Diese erhielten eine rhetorische Kurzschulung und übten anschließend mehrmals für ihren Auftritt. Unterdessen arbeiteten wir an der deutschen Übersetzung der englischen Statements. 

Um 17:00 versammelten sich alle Teilnehmer beim Hauptbahnhof, um eine geführte einstündige Stadtrundfahrt anzutreten, bei der die wichtigsten Sehenswürdigkeiten Münchens angefahren wurden. Im Anschluss fuhren alle gemeinsam zur Katholischen Akademie in München, wo das kirchliche Hilfswerk „Missio” eine Podiumsdiskussion unter dem Titel „Ägypten im Umbruch — Kräftemessen um eine gesellschaftliche Neuordnung” organisiert hatte. Diese begann um 20:15 mit einigen einführenden Worten, bevor der Journalist Peter Scholl-Latour einen kurzen Abriss der Geschichte Ägyptens seit dem Mittelalter vortrug und auch auf die jüngsten Ereignisse einging. Im Anschluss berichtete der koptisch-katholische Bischof Kyrillos William über seine Erfahrungen der letzten Jahre und schilderte zahlreiche Beispiele für eine gelungene christlich-muslimische Zusammenarbeit, die trotz zahlreicher Übergriffe möglich sei. Im Anschluss erhielten unsere beiden Teilnehmer die Gelegenheit, ihre Statements zu präsentieren, was beide souverän und überzeugend meisterten und so einen erfrischenden Kontrastpunkt zu den beiden vorangehenden Vorträgen lieferten. Anschließend wurden beide Statements von einer deutschen Teilnehmerin nochmals auf Deutsch verlesen. Der anschließende Applaus machte deutlich, dass auch das Publikum diese persönlichen Stellungnahmen sehr positiv aufnahm und als willkommenen Debattenbeitrag sah. Leider gab es aber keine Gelegenheit für unsere Teilnehmer, auch an der anschließenden Podiumsdiskussion teilzunehmen, obwohl sie durch ihre besondere Perspektive sicher eine sinnvolle Bereicherung und eine wertvolle Ergänzung der vertretenen Positionen hätten leisten können.
Damit endete auch der offizielle Teil des Abends. Die meisten Teilnehmer ließen es sich allerdings nicht nehmen, diesen ereignisreichen Tag in einer Diskothek ausklingen zu lassen.

Mittwoch, 23.10.2013

Am letzten Tag erfolgte keine inhaltliche oder thematische Arbeit mehr, sondern dieser war ausschließlich der Abreise gewidmet. Vielen Teilnehmern fiel der Abschied schwer, da man in der kurzen aber doch sehr intensiven Zeit zahlreiche neue Kontakte geknüpft hatte.

2. Erreichen des angestrebten Projektzieles

Auf der deutsch-ägyptischen Jugendkonferenz sind vorübergehend Menschen mit unterschiedlichem kulturellem und religiösem Hintergrund zusammengekommen. Sie haben sich über ihr Leben und ihr unterschiedliches Engagement ausgetauscht. Dadurch haben die Teilnehmer eine Erfahrung der Begegnung mit einer fremden Kultur und mit einer fremden Religion gemacht.
Insgesamt war die Konferenz ein großer Erfolg. Alle Teilnehmer zeigten sich sehr motiviert und brachten sich mit vollem Engagement ein. In den thematischen Sitzungen schreckte niemand davor zurück, auch eine konträre Meinung zu vertreten, so dass häufig kontrovers, aber immer sehr sachlich diskutiert wurde. Ein großer Vorteil der Konferenz war sicher die Möglichkeit zum interkulturellen Austausch, die von den Teilnehmern rege genutzt wurde. Dabei war es sehr interessant zu sehen, dass ägyptische und deutsche Jugendliche in vielen Punkten ähnliche Erfahrungen, Probleme und Perspektiven aufweisen, sich in anderen Dingen aber auch wieder sehr stark unterscheiden können. Hier Fremdes wahrzunehmen und in den eigenen Kontext zu integrieren, war eine besondere Erfahrung für alle Teilnehmer. Aber das konnte nur durch die Begegnung der verschiedenen Kulturen und zweier Religionen ermöglicht werden. Dabei zeigten alle Beteiligten aber immer Verständnis für eine Sichtweise, die sich von der eigenen gravierend unterschied, so dass sich die Diskussionen für jeden als Gewinn erwiesen.
Auch die inhaltliche Arbeit ist sehr positiv zu bewerten. Wie die Präsentation der beiden Statements deutlich machte, war es besonders eine Verbesserung der Bildungssituation in ihrem Land, die den ägyptischen Teilnehmern am Herzen lag und von der sie sich ein Stabilisierung der politischen Lage und die Chance zu mehr Gerechtigkeit in ihrem Land erhofften. In diesem Sinne war die Konferenz sicher auch eine Möglichkeit, die ägyptischen Teilnehmer zu ermutigen, ihr soziales Engagement fortzusetzen und sich weiterhin für die Stärkung der Zivilgesellschaft einzusetzen, denn von dem Einsatz und den Einstellungen der jungen Generation hängt letztlich die Zukunft ihres Landes ab.


Verantwortlich für den Inhalt: Akija e.V.

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