Islam auf Sächsisch

Im Herbst 2018 haben wir mit „Islam of sächs'sch” in der Region Nordsachsen unsere dritte Mundartregion aufnehmen können. Die Übersetzung ins Sächsische erfolgte durch den Mundartisten Klaus Petermann. 

Unterstützungsstatement Daniela Kolbe, MdB

Projekt „Islam auf Sächsisch“ des Orient-Netzwerk e.V.

„Gerade in Sachsen ist die Skepsis gegenüber Musliminnen und Muslimen leider sehr groß. Viele in der Bevölkerung haben Vorbehalte gegenüber deren Religion, obwohl sie wenig oder nur sehr Ungenaues über den Islam wissen. Dadurch haben es Populismus und rechte Stimmungsmache besonders leicht, bestehende Vorurteile für ihre Zwecke zu nutzen. 

Deshalb unterstütze ich das Projekt „Islam auf Sächsisch“ des Orient-Netzwerk e.V.: Es klärt auf, bringt Menschen miteinander ins Gespräch und gibt Hilfestellung dabei, sich selbst und andere kritisch zu hinterfragen. Gleichzeitig spricht es Menschen direkt in ihrer vertrauten Sprache und Umgebung an und macht klar: Der Islam gehört auch zu deiner Heimatregion. 

Gerade in Sachsen brauchen wir mehr davon. Und ein kleines Augenzwinkern dabei kann auch nicht schaden…“

Daniela Kolbe, MdB

1. Wie vielfältch is eechentlich dr Islam? - MIT AUDIO

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Dr Marktplatz direggt im Herzen von dr Leibzcher Altstadt is immer ä Besuch wert!
Un ä Haufen Leite tut mr dort treffen, Einheimische und ooch Touristen. Un wemmr ä richtcher Saggse is, trifft mr ooch viele Bekannte. Awer da sieht dr Saggse ooch so manchesma Fraun, die er nich genn tut, die falln durch ihre schwarzen Glamodden off, die se anhamm un ooch durch ihr Gobbtuch. Sinns Nonnen? Nee, das sin geene Nonnen. Off ämal fälltsn widder ein, weil’r sowas schon ä ma im Fernsehn gesähn hat: Das sin de Frauen, die zu dr Religchon von däm Islam geheern tun und das tun die ooch durch ihre Glamodden zeichen! Nu off ämal wärd dr gemeene Saggse nachdenklich. In sein Viertel, wo’r wohn tut, da gibt’s doch ooch Muslime, die sinn awer nich so angezochen. Un wenn’r durch de Leibzcher Eisenbahnstrasse loofen tut, da sin de Fraun nich in schwarz angezochen, awer manche widderum ham ä Gobbtuch off, awer ähmd geene schwarzen Sachen! Nu denkt dr Saggse noch ä bissl driewer nach un stellt fest: dr Islam is enne große Religchon, die ooch sähre vielfältch is un sich in verschiedentlichen Erscheinungsbildern zeichen tut. Je nach Gloomsrichtung gibs da ooch unterschiedliche Recheln, na wie ähmd ooch in andern Religionen. Also darf mr nu nich, weil mr een gennt, glei off alle Muslime, off alle, die dem Islam angeheern tun, schließen. Un off geen Fall, wenn iewer de Politik in den islamischen Ländern was berichtet wärd.
Awer es is ooch schon ä großer Unterschied wie dr Islam eechentlich gelebt wärd, also in Saudi-Arabien, oder in Marokko, in dr Türkei, in Bosnien oder ooch in Persien. Gemeinsam sinn bei alln de wichtichsten Inhalte von däm Gloom, also dr Gloobe an Gott, an Sei Wort in dr heilchen Schrift des Islam, däm Koran, an de Botschaft von däm Propheten Muhammad. Awer de Auslechungen sinn ähmde sähre vorschieden, da ähma sähre streng und dorten widder sähre liberal. Un es gibt de großen unterschiedlichen Gloomsrichtungen von däm sunnitischen und däm schiitischen Islam, der wird vor allm in Persien geläbt.
Da gibt’s nadierlich ä Haufen zu lern, wenn dr Saggse dn Islam so richtch gennlern will. Un das will’r ja ooch, denn in Leibzch gibt’s viele freindliche Muslime, die hier lähm tun un die von dr Kultur un ooch von dr Kunst von däm Islam erzähln tun – un manche quasseln sogar schon Sächs’sch!

2. Wie issn das eechentlich mit’n Fußballschbieln im Ramadan? - MIT AUDIO

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Vorchen Sonndaach war’ch mit mein beeden Freinden Ali un Fatima bei ä Schbiel von RB Leibzch gechen SC Freiburch. Ali un Fatima gomm aus Freiburch un wollten nu unbedingt ämal in de Leibzcher Red Bull Arena.
In der Halbzeit-Pause taten mir iewer de fimf Säuln von däm Islam diskutieren. Dazu geheert ähmd ooch ’s Fasten im Monat Ramadan, das is dr neinte Monat vom muslimischen Mondgaländr. 
„Was macht‘n eechentlich ä muslimischer Fußballprofi wie ähmd dr Mesut Ösil im Ramadan? Där fliecht doch um, wenn där von Sonnoffgang bis se widder untergehn tut nicht futtern un nicht drinken darf, oder wie jetzte?“ tat’ch iewerleechn.
Ali tat mit sein Schuldern zuggn, awer Fatima hatte ähmd ne Antwort:
„Das is wärklich ä schwierches Thema fier de muslimischen Schbieler. Eechentlich solln’se ja im Ramadan, wie ähmd ooch alle andern Muslime, offs Essen un Drinken, Roochen un off Däschdlmäschdl eefach vorzichtn, umdn Körper un de Seele zu reinchen. Ausgenomm von dr Fastenrechel sin welche, die off eener Reise sin, Granke, schwangre Fraun, gleene Ginder un die, die de schwär arweeten tun. De Fraache is ja nu, ob de Fußballer ooch zu dän Mänschen geheern, die so schwär arweetn tun. Dr Zentralrat von dän Muslimen saacht ja. Profifußball is ä kärperlich exträm hardr Job, wie vlei so de Arweet underdaache oder an ä Hochofen, saacht Aiman Mazyek, dr Vorsitzende vom däm Zentralrat dr Muslime. Ä muslimischer Fußballprofi gann ja dann de Fastendaache nachholn, wennr schbielfrei hat. Nadierlich isses immer seine eechne Entscheidung, also von däm Schbieler, ob’r nu fasten tut oder ähmd nich. Es gibt ooch Schbieler, die so ne Art Middelwech gefundn ham: Frank Ribéry , där is ja 2002 zum Islam konvertiert, tut nur an dän schbielfrein Daachen fasten an Schbieldaachen nich. Beim Mesut Özil isses ooch ungefähr so. Er is ja ooch ä gläubcher Muslim un war sogar 2016 in Mekka off eener Pilcherreise, gann allerdings an Schbieldaachen nich fastn, saacht’r. Im Sommer isses Wetter ähmd zu warm und da hatt’r intensive Trainingseinheeten un ooch Schbiele, un da geht das mit däm Fasten ähmd nich.“

3. Was genau bassiert eechentlich in eener Moschee? - MIT AUDIO

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Im Dorfe bei mein Großäldern da will de türksche Gemeende, die dorten is, enne neie Moschee offbaun. Als ich mein Oba neilich widder ma besuchen tat, da verwickelte där mich glei in ä Geschbräch wächen dr Moschee. Nu erklärte ich ihm glei, dass de ursprienglische arabsche Bezeichnung „Masdschid“ war un ä Platz bezeichnen tut, wo mr sich hinwerfen tut, also eher niederwerfn, weil doch de Muslime bei ihrn rituellen Gebeten ähmd so Haufen Vorbeuchungen machen. Naja und im Loofe dr Zeit tat sich das Wort im Spanischen un im Italienschen ä bissl wandeln, bisses dann im Deutschen zu „Moschee“ wurde.
De wichtchste Offgabe von enner Moschee isses Gebet, dardrfier isse ja ooch eingerichtet, seit dr Friehzeit vom Islam diente se ooch als ä Mittelpunkt vom Gemeendelähm un als Stätte, wo mr sich treffen gonnte. Desdrwechen is dr andre Begriff fier Moschee ooch „Gamaa“ oder wie de Türken saachen däten: „Cami“ das heeßt so viel wie „Ort dr Versammlung“.
Meist is nähm dr Moschee ä gleener Waschraum, damit mr vorm Gebet de rituellen Waschungen machen gann. Enne Moschee is ganz un gar mit Däppschen ausgelecht, darmit mr nich offm Boden knien muss. Aus Respekt vor dem Ort un ooch aus hygienischen Grienden muss mr vorm Neingehn ins Gebäude de Latschen ausziehn.

Im Gebetsraum drinne is enne besondersch verzierte Nische, die zeicht in Richtung Mekka un gibt däm Gläubchen an, wohin se sich beim Beten verneichen missen. Ofte is dort ooch enne Kanzel, von der aus dr Imam dann ooch bredchen gann. Bilder oder ooch Figurn gibt’s nich in enner Moschee, weils ähmd fier de Muslime verboten is, Läwewesen darzuschtelln.
Stattdessen sin nu de Gotteshäuser oft besondersch reich geschmiggt  mit geometrischen Figurn un floraln Ornamenten. Ooch gammr drinne in dr Moschee kunstvoll kalligraphisch geschtaltete Koranverse in arabscher Schbrache anguggen. Viele Moscheen ham extra noch ä Minarett un von dr Spitze dadrvon tat frieher dr Muezzin zum Gebete rufen. Heitzudache macht mr das mit ä Lautschbrecher.
In hier in Saggsen gibt’s sogar enn „Daach dr offnen Moschee“, där is jedes Jahr am 3. Oktober. Unterm Motto „Gute Nachbarschaft – Bessere Gesellschaft“ is es meechlich so enne Moschee zu besuchen un bei eener Fiehrung durch de Gebetsräume so enner muslimischen Gloobensgemeinschaft mitzumachen. Solche Fiehrungen gibt’s in Dräsdn in dr Faith Moschee un in Leibzch bei dr Ahmadiyya Gemeende.

4. Wie is das nu mit nem Feffi oder Allasch? - MIT AUDIO

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Da is nu da ’s neie Semester da un da beginnen se widder die traditionellen Partys un Gneibentourn fier neie un alde Studierende. Nu gibt’s dadrunter nadierlich die, die nach Cocktails mit ohne Algohol greifen tun und dann die, die eher ma een oder ooch ä baar Bierchen zu sich nähm. Villeicht ähmd mit däm Unterschied: Untern Muslimen un Musliminnen isses noch sähre verbreitet, ooch ahmds beim Weggehn eher ne Abbelschorle zu beschtelln. Wiesodenne eechentlich? Viele muslimische Gelehrte (un iewerhaupt de allermeerschten Leite mit dem muslimischen Gloom) sin sich eenich, dass dr Islam ‘s Drinken von Algohol vorbieten tut. Wie bei so vieln religchösen Vorschriften ooch in andern Religionen (mr denke bloß äma an de Fastenzeit bzw. Passionszeit vor Ostern) gibt’s ähmd dabei Gläubche, die sich an de Recheln halten tun un andre widderum nich.
Im Koran gibt’s verschiedne Schtelln wo vom Algohol de Rede is, zum Beischbiel, wenn Gläubche dardrvor gewarnt wärn, bedrunken zum Gebet zu gomm.  An eener andern Schtelle wärd dr Algohol sogar, zusammen mit noch ganz andern Zeich, als „Werk des Satans“ bezeichnet. Nu widdr an eener ganz andern Schtelle gammr lesen, dass im Algohol ooch äwas Gutes liechen tut, awer dass de Nachteile ähmd iewerwiechen. Un schließlich gibt’s ooch ne Schtelle,