Islam auf Sächsisch

Im Herbst 2018 haben wir mit „Islam of sächs'sch” in der Region Nordsachsen unsere dritte Mundartregion aufnehmen können. Die Übersetzung ins Sächsische erfolgte durch den Mundartisten Klaus Petermann. 

Unterstützungsstatement Daniela Kolbe, MdB

Projekt „Islam auf Sächsisch“ des Orient-Netzwerk e.V.

„Gerade in Sachsen ist die Skepsis gegenüber Musliminnen und Muslimen leider sehr groß. Viele in der Bevölkerung haben Vorbehalte gegenüber deren Religion, obwohl sie wenig oder nur sehr Ungenaues über den Islam wissen. Dadurch haben es Populismus und rechte Stimmungsmache besonders leicht, bestehende Vorurteile für ihre Zwecke zu nutzen. 

Deshalb unterstütze ich das Projekt „Islam auf Sächsisch“ des Orient-Netzwerk e.V.: Es klärt auf, bringt Menschen miteinander ins Gespräch und gibt Hilfestellung dabei, sich selbst und andere kritisch zu hinterfragen. Gleichzeitig spricht es Menschen direkt in ihrer vertrauten Sprache und Umgebung an und macht klar: Der Islam gehört auch zu deiner Heimatregion. 

Gerade in Sachsen brauchen wir mehr davon. Und ein kleines Augenzwinkern dabei kann auch nicht schaden…“

Daniela Kolbe, MdB

1. Wie vielfältch is eechentlich dr Islam? - MIT AUDIO

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Dr Marktplatz direggt im Herzen von dr Leibzcher Altstadt is immer ä Besuch wert!
Un ä Haufen Leite tut mr dort treffen, Einheimische und ooch Touristen. Un wemmr ä richtcher Saggse is, trifft mr ooch viele Bekannte. Awer da sieht dr Saggse ooch so manchesma Fraun, die er nich genn tut, die falln durch ihre schwarzen Glamodden off, die se anhamm un ooch durch ihr Gobbtuch. Sinns Nonnen? Nee, das sin geene Nonnen. Off ämal fälltsn widder ein, weil’r sowas schon ä ma im Fernsehn gesähn hat: Das sin de Frauen, die zu dr Religchon von däm Islam geheern tun und das tun die ooch durch ihre Glamodden zeichen! Nu off ämal wärd dr gemeene Saggse nachdenklich. In sein Viertel, wo’r wohn tut, da gibt’s doch ooch Muslime, die sinn awer nich so angezochen. Un wenn’r durch de Leibzcher Eisenbahnstrasse loofen tut, da sin de Fraun nich in schwarz angezochen, awer manche widderum ham ä Gobbtuch off, awer ähmd geene schwarzen Sachen! Nu denkt dr Saggse noch ä bissl driewer nach un stellt fest: dr Islam is enne große Religchon, die ooch sähre vielfältch is un sich in verschiedentlichen Erscheinungsbildern zeichen tut. Je nach Gloomsrichtung gibs da ooch unterschiedliche Recheln, na wie ähmd ooch in andern Religionen. Also darf mr nu nich, weil mr een gennt, glei off alle Muslime, off alle, die dem Islam angeheern tun, schließen. Un off geen Fall, wenn iewer de Politik in den islamischen Ländern was berichtet wärd.
Awer es is ooch schon ä großer Unterschied wie dr Islam eechentlich gelebt wärd, also in Saudi-Arabien, oder in Marokko, in dr Türkei, in Bosnien oder ooch in Persien. Gemeinsam sinn bei alln de wichtichsten Inhalte von däm Gloom, also dr Gloobe an Gott, an Sei Wort in dr heilchen Schrift des Islam, däm Koran, an de Botschaft von däm Propheten Muhammad. Awer de Auslechungen sinn ähmde sähre vorschieden, da ähma sähre streng und dorten widder sähre liberal. Un es gibt de großen unterschiedlichen Gloomsrichtungen von däm sunnitischen und däm schiitischen Islam, der wird vor allm in Persien geläbt.
Da gibt’s nadierlich ä Haufen zu lern, wenn dr Saggse dn Islam so richtch gennlern will. Un das will’r ja ooch, denn in Leibzch gibt’s viele freindliche Muslime, die hier lähm tun un die von dr Kultur un ooch von dr Kunst von däm Islam erzähln tun – un manche quasseln sogar schon Sächs’sch!

2. Wie issn das eechentlich mit’n Fußballschbieln im Ramadan? - MIT AUDIO

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Vorchen Sonndaach war’ch mit mein beeden Freinden Ali un Fatima bei ä Schbiel von RB Leibzch gechen SC Freiburch. Ali un Fatima gomm aus Freiburch un wollten nu unbedingt ämal in de Leibzcher Red Bull Arena.
In der Halbzeit-Pause taten mir iewer de fimf Säuln von däm Islam diskutieren. Dazu geheert ähmd ooch ’s Fasten im Monat Ramadan, das is dr neinte Monat vom muslimischen Mondgaländr. 
„Was macht‘n eechentlich ä muslimischer Fußballprofi wie ähmd dr Mesut Ösil im Ramadan? Där fliecht doch um, wenn där von Sonnoffgang bis se widder untergehn tut nicht futtern un nicht drinken darf, oder wie jetzte?“ tat’ch iewerleechn.
Ali tat mit sein Schuldern zuggn, awer Fatima hatte ähmd ne Antwort:
„Das is wärklich ä schwierches Thema fier de muslimischen Schbieler. Eechentlich solln’se ja im Ramadan, wie ähmd ooch alle andern Muslime, offs Essen un Drinken, Roochen un off Däschdlmäschdl eefach vorzichtn, umdn Körper un de Seele zu reinchen. Ausgenomm von dr Fastenrechel sin welche, die off eener Reise sin, Granke, schwangre Fraun, gleene Ginder un die, die de schwär arweeten tun. De Fraache is ja nu, ob de Fußballer ooch zu dän Mänschen geheern, die so schwär arweetn tun. Dr Zentralrat von dän Muslimen saacht ja. Profifußball is ä kärperlich exträm hardr Job, wie vlei so de Arweet underdaache oder an ä Hochofen, saacht Aiman Mazyek, dr Vorsitzende vom däm Zentralrat dr Muslime. Ä muslimischer Fußballprofi gann ja dann de Fastendaache nachholn, wennr schbielfrei hat. Nadierlich isses immer seine eechne Entscheidung, also von däm Schbieler, ob’r nu fasten tut oder ähmd nich. Es gibt ooch Schbieler, die so ne Art Middelwech gefundn ham: Frank Ribéry , där is ja 2002 zum Islam konvertiert, tut nur an dän schbielfrein Daachen fasten an Schbieldaachen nich. Beim Mesut Özil isses ooch ungefähr so. Er is ja ooch ä gläubcher Muslim un war sogar 2016 in Mekka off eener Pilcherreise, gann allerdings an Schbieldaachen nich fastn, saacht’r. Im Sommer isses Wetter ähmd zu warm und da hatt’r intensive Trainingseinheeten un ooch Schbiele, un da geht das mit däm Fasten ähmd nich.“

3. Was genau bassiert eechentlich in eener Moschee? - MIT AUDIO

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Im Dorfe bei mein Großäldern da will de türksche Gemeende, die dorten is, enne neie Moschee offbaun. Als ich mein Oba neilich widder ma besuchen tat, da verwickelte där mich glei in ä Geschbräch wächen dr Moschee. Nu erklärte ich ihm glei, dass de ursprienglische arabsche Bezeichnung „Masdschid“ war un ä Platz bezeichnen tut, wo mr sich hinwerfen tut, also eher niederwerfn, weil doch de Muslime bei ihrn rituellen Gebeten ähmd so Haufen Vorbeuchungen machen. Naja und im Loofe dr Zeit tat sich das Wort im Spanischen un im Italienschen ä bissl wandeln, bisses dann im Deutschen zu „Moschee“ wurde.
De wichtchste Offgabe von enner Moschee isses Gebet, dardrfier isse ja ooch eingerichtet, seit dr Friehzeit vom Islam diente se ooch als ä Mittelpunkt vom Gemeendelähm un als Stätte, wo mr sich treffen gonnte. Desdrwechen is dr andre Begriff fier Moschee ooch „Gamaa“ oder wie de Türken saachen däten: „Cami“ das heeßt so viel wie „Ort dr Versammlung“.
Meist is nähm dr Moschee ä gleener Waschraum, damit mr vorm Gebet de rituellen Waschungen machen gann. Enne Moschee is ganz un gar mit Däppschen ausgelecht, darmit mr nich offm Boden knien muss. Aus Respekt vor dem Ort un ooch aus hygienischen Grienden muss mr vorm Neingehn ins Gebäude de Latschen ausziehn.

Im Gebetsraum drinne is enne besondersch verzierte Nische, die zeicht in Richtung Mekka un gibt däm Gläubchen an, wohin se sich beim Beten verneichen missen. Ofte is dort ooch enne Kanzel, von der aus dr Imam dann ooch bredchen gann. Bilder oder ooch Figurn gibt’s nich in enner Moschee, weils ähmd fier de Muslime verboten is, Läwewesen darzuschtelln.
Stattdessen sin nu de Gotteshäuser oft besondersch reich geschmiggt  mit geometrischen Figurn un floraln Ornamenten. Ooch gammr drinne in dr Moschee kunstvoll kalligraphisch geschtaltete Koranverse in arabscher Schbrache anguggen. Viele Moscheen ham extra noch ä Minarett un von dr Spitze dadrvon tat frieher dr Muezzin zum Gebete rufen. Heitzudache macht mr das mit ä Lautschbrecher.
In hier in Saggsen gibt’s sogar enn „Daach dr offnen Moschee“, där is jedes Jahr am 3. Oktober. Unterm Motto „Gute Nachbarschaft – Bessere Gesellschaft“ is es meechlich so enne Moschee zu besuchen un bei eener Fiehrung durch de Gebetsräume so enner muslimischen Gloobensgemeinschaft mitzumachen. Solche Fiehrungen gibt’s in Dräsdn in dr Faith Moschee un in Leibzch bei dr Ahmadiyya Gemeende.

4. Wie is das nu mit nem Feffi oder Allasch? - MIT AUDIO

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Da is nu da ’s neie Semester da un da beginnen se widder die traditionellen Partys un Gneibentourn fier neie un alde Studierende. Nu gibt’s dadrunter nadierlich die, die nach Cocktails mit ohne Algohol greifen tun und dann die, die eher ma een oder ooch ä baar Bierchen zu sich nähm. Villeicht ähmd mit däm Unterschied: Untern Muslimen un Musliminnen isses noch sähre verbreitet, ooch ahmds beim Weggehn eher ne Abbelschorle zu beschtelln. Wiesodenne eechentlich? Viele muslimische Gelehrte (un iewerhaupt de allermeerschten Leite mit dem muslimischen Gloom) sin sich eenich, dass dr Islam ‘s Drinken von Algohol vorbieten tut. Wie bei so vieln religchösen Vorschriften ooch in andern Religionen (mr denke bloß äma an de Fastenzeit bzw. Passionszeit vor Ostern) gibt’s ähmd dabei Gläubche, die sich an de Recheln halten tun un andre widderum nich.
Im Koran gibt’s verschiedne Schtelln wo vom Algohol de Rede is, zum Beischbiel, wenn Gläubche dardrvor gewarnt wärn, bedrunken zum Gebet zu gomm.  An eener andern Schtelle wärd dr Algohol sogar, zusammen mit noch ganz andern Zeich, als „Werk des Satans“ bezeichnet. Nu widdr an eener ganz andern Schtelle gammr lesen, dass im Algohol ooch äwas Gutes liechen tut, awer dass de Nachteile ähmd iewerwiechen. Un schließlich gibt’s ooch ne Schtelle, da schteht, dass die Mänschen dn Algohol von Gott geschenkt gegricht ham, darmit se sich ä scheenes Lähm machen genn.
De meisten Muslime sinn sich awer driewer einich, dass das ähmd heeßen tut, Muslime sollten gar geen Algohol drinken – awer es gibt ähmd ooch solche, die da saachen, dass sich die Schtelle nur off iewertriemnes Drinken beziehn tut. Un desdrwächen drinken manche gerne ma ä Glas Wein und die andern lassen liewer de Finger drvon.
Ä baar wolln nu nicht nur ’s Drinken, sondern ooch z.B. ’s Vergoofen vermeiden, un gehen dardrum als Nähmjob ooch nich Kellnern. Ausnahm gibt’s ooch: In Medikamenten gilt’s Algoholverbot nich, weil‘s nämlich dann enn wichticheren Ziele (dr Heilung von Granken) im Wäche stehn wärde.
Wer sich nu nich so ganz sicher is, wie muslimische Bekannte die Rechel vorstehn, fraacht am besten. Seid vorsichtsch un stoßt nu nich unbedingt mit Muslimen mit ä Feffi an!

5. Wer nu war eechentlich Mohammed? - MIT AUDIO

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Im Jahre zwanzchzwelfe (2012) erschien dr Film „Die Unschuld der Muslime“. Un dadriewer waren off dr ganz Wält jede Menge Muslime mächtsch empört, weil se mit dr Darstellung von däm Mohammed nich einverstandn warn. Unter mein Bekannten gabs nu ä baar, die de mich fraachten, was denne eechentlich dän Mohammed so wichtsch machen wärde.
Fier de Muslime is dr Mohammed dr letzte aus ner ganzen Reihe von Propheten, die enne gäddliche Botschaft an die Mänschheet übermitteln taten. Dardrzu geheerten ooch Moses un Jesus, den ihre Schriften wurden awer durch de Mänschen vorändert, so isses muslimische Verschtändnis dardrzu. Dr Koran, där von däm Mohammed iewerliefert worden is, schtellt dagechen ‘s unverfälschte un abschließende Wort Goddes dar. Mohammed wärd desterwechen auch als ‘s „Siegel der Propheten“ bezeichnet.
Er wurde in edwa 570 n. Chr. in Mekka, was heitzudaache in Saudi-Arabien liecht, geborn. Als Waise hatte der nadierlich geene hohe Schtellung in dr Gesellschaft, das tat sich awer ändern, als’r als junger Goofmann de reiche Witwe Chadidscha heiraten tat. Im Jahre 610 erschien ihm zum ärschten Mal dr Engel Gabriel un tat ihm de gäddliche Botschaft iewermitteln, die der dann ooch an seine Mitmänschen weidererzählt hat. Diese un ooch de folchenden Botschaften wurden zuärscht miendlich weidergegähm, dann ooch schriftlich und die alle bildn dän Koran. Weil awer nu seine Anweisungen bei dän Leiten bei sich drheeme in dr Schtadt immer mähr zu Konflikten fiehrten, tat Mohammed 622 mit ä baar wenichen Anhängern in de Nachbarschtadt Medina auswandern. un genau in dän Jahr beginnt ooch de muslimische Zeitrechnung, weil ähmd ab diesm Zeitpunkt de ärschte selbstverwaltete muslimische Gemeinschaft bestand. Nach mehreren militärschen Auseinandersetzungen gewann dr Mohammed de Herrschaft iewer Mekka. Dort schtarb‘r dann ooch im Jahre 632. Heitzudaache is Mohammed fier Muslime vor allm desderwechen von Bedeutung, weil’r dr Empfänger von däm Koran war un offgrund seine Nähe zu Godd selbst in alln Läwenslaachen ooch als ä Vorbild gälten tut. Das gann sich nu auswirken off ganz unterschiedliche Bereiche, wie Angeziehe und was de Männer fier ä Bart ham solln, ähmd ooch wies Familchenlähm gerechelt sin soll und wie so insgesamt de Leite unternander zurechte gomm solln. Un das is dr Grund warum is so ne Menge von Sammlungen von seinen Taten un Aussaachen (hadith) gähm tut, die enne wichtche Grundlage fier das islamische Recht sin.

6. Wär oder was is eechentlich ä Imam oder ähmd enne Imamin? - MIT AUDIO

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„Neilich war’ch bei ä Vordraach iewer Fraun als religchöse Fiehrungspersonen, reden taten da änne Farrerin, änne Rabbinerin un änne Imamin.“ Als’ch das meiner Mudder erzähln tat, warse zuärscht baff. „Is ä Imam nich so was wie ä Farrer? Un sinn das nich eechentlich immer Männer?“
Das schtimmt zum Teil: Wär nu dän Titel Imam drächt, där hält in änner Moschee ooch de Freidaachspredicht und tut’s Gebet leiten. Von dieser Offgabe gommt wohl ooch dr Name: ‘s arabische Wort „imam“ bedeutet „vor“. Un die Person, die de nu vorbeten tut, schteht ähmd vor alln andern. Wie ooch in andern Religchonen, wurde solche Posten im Islam ähmde oft an Männer vergähm, awer schon seit Anbeginn von däm Islam gabs ooch Frauen, die Vorbeterinnen warn. Awer wie gammr eechentlich nu Imam wärn? Weil’s nu geene „islamische Gärche“ gähm tut, gibt’s ähmd ooch geen vorgeschriemnen Wäch zur Ausbildung fier de Imame. Imam wärd mr, wenn de Gemeinde een dardrzu wähln tut – awer, weil’ nu fiers Amt ooch viel Wissen needch is, gibt’s ooch ä baar iebliche Wäche, wie mr Imam wärn gann.
De Türkisch Islamische Union (DITIB e.V.) arweetet in Deutschland mit Imamen, die de vom türk‘schen Schtaat entsandt worden sin un ihre Ausbildung in dr Türkei gemacht ham.
Dardrzu geheert meist ooch ä Abschluss an ner religchösen Schule un ä Schtudium in Islamischer Theolochie. Dr Verband islamischer Kulturzentren (VIKZ) tut seiner Imame in Deutschland ausbilden, die tun dann ooch an Wochenend- un Färchenkursen teilnähm un schließen dann ihre Ausbildung mit ä Praktikum in enner Moschee ab. Dr Verband dr islamischen Bosniaken (IGBD) tut von seinen Imamen ä Theolochieschtudium verlangn. Darnähm gibt’s awer ooch Imame, die de sich ihr Wissen sälwer angelesen ham, oder off ä ganz andern Wäch ins Amt gegomm sin.
Un was fier Offgaben hat mr als Imam, außer vom Anleiten vom Gebet un dr wechentlichen Predicht? Na genau wie so ä Farrer tun de Imame in dr Seelsorche arweeten, gimmern sich zum Beischbiel ooch um de Sorchen von ältren un  grankn Mänschen, awer ooch um Juchendliche. Sie gähm Unterricht, zum Beischbiel zu Themen von däm Koran un dn Erzählungen iewer dn Propheten Mohammed (hadith). Un se fierhn relichöse Rituale durch oder sin dardrbei, zum Beischbiel bei enner Hochzeit, Beschneidungen und bei Beerdchungen.

7. Warum gibt’s eechentlich bestimmte Kleidungsvorschriften? - MIT AUDIO

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Als ich neilich mal mein Nachbarn besuchen tat, gam’s Gespräch off eene ägyptche Freindin, die de hier in Deutschland schtudiern tut un mich ooch schon sähre oft drheeme besucht hat. „Un, tut denne de Heba immer noch ihr Gobbtuch draachen? Ohne wärsch doch viel praktischer, oder nich?“ Nu habsch mein Nachbarn versucht zu erglärn, dass’es Gobbtuch für Heba ä wichtches Zeichen von där ihrn Gloom is – un dass’es ooch schon so lange draachen tut, dass’es Gobbtuchbinden ähmd wahrscheinlich genau so eenfach is wie’s Schuhebinden.
Awer warum tun sich nu viele Musliminnen entscheiden, dasse ihre Haare bedecken tun? Un warum gibt’s denne so ne Vorschrift fier de Fraun un nich fier de Männer? Un is denn das iewerhaupt änne Vorschrift? Schließlich tuts ja ooch gläubche Musliminnen gähm, die de das Gobbtuch ganz bewusst nich draachen tun. Das wusste ooch dr Nachbar un konterte prompt: „De beste Freindin von unsrer Dochter drächt gee Gobbtuch, im Sommer tut se sich sogar ä Bikini anziehn. Un drotzdäm is de Elif gläubch un liest dn Koran un tut im Ramadan fasten! Sie saacht, Gott tut’s nich intressiern, was’se offm Gobb draachen tut.“
Wär nu hat eechentlich recht, Heba oder Elif? De Antwort is ganz eenfach: beede. Es gommt ähmd droff an, wie mr dn Koran lesen tut. Im Islam gibt’s ähmd geene Person wie’n Papst, die festlächen tut, wie mr ‘s heiliche Buch verstähn muss, sondern jeder Muslim un jede Muslimin gann‘s sälwer interpretiern.
Viele Muslime gloom, dass ä Teil vom Gorbus ähm privat is (aura) un vor andern bedeckt gehalten wärn soll. Welche Teile vom Gorbus das nun sin soll, un wär die sähn darf, dardrzu gibt’s ähmd unterschiedliche Meinungen.
Fier de Männer is de am weitesten verbreitete Ansicht, dass de aura dn Bereich vom Bauchgnäbbchen bis dn Knien bezeichnen tut. Einiche muslimche Fraun – wie ooch Heba – folchen dr Ansicht, dass ihre aura ähmd dn ganzen Gorbus außer Gesicht un Hände umfassen tut un tun sich in der Öffentlichgeet fast ganz un gar bedecken. Gecheniewer manchen Mänschen, zum Beischbiel andern Fraun un nahn männlichen Verwandten, tun se es als nich neetch empfinden, sich so sähre zu verhülln, weil se im Koran als Ausnahmen genannt sin (Sure 24 Vers 31).
Andre Musliminnen widderum – wie Elif – deuten de entschbrechenden Schtelln im Koran symbolisch. Fier die geht’s dardrum, sich nich bewusst offreizend anzubebbeln. Awer se gloom ähmd, dass mr ooch in Jeans un T-Shirt wunderbar bescheiden aussehn gann, zuma ooch so manches Gobbduch ganz scheen offfällich sin gann un sogar noch de Blicke off sich ziehn tut, schtatt se zurückzuweisn. Un außerdem denkn immer mähr muslimsche Fraun, dr Koran misse nu ooch de Männer offfordern, dass se ihr Blicke nunter senken müssen un ooch lern, ihre Lust zu kontrollieren, echa ob de Frau nu vor ihn ä Gobbduch draachen tut oder ä Minirock.
Un so, wie’s nu Fraun mit Gobbduch gähm tut, die de nich besondersch gloom tun, sondern das Gobbduch ähm aus Gewohnheet draachn, gibt’s ähmd ooch solche ohne ä Gobbduch, die de sähre fromm sin, das awer nich iwer de Glamodden ausdrieggen wolln. ‘S Gobbduch saacht ähmd nich dardriewer aus, wie de Frau zu Gott steht, un im Zweifel gammr änne Muslimin eenfach fraachn, warum se ihre Haare verhülln tut – oder ähmd ooch nich. Es tut ähmd viele Hebas un Elfis da draußen gähm!

8. Woher gomm nu de Muslime, die de in Sachsen lähm? - MIT AUDIO

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Neilich fraachte mich meine Dande, aus welchen Ländern eechentlich de Muslime gomm, die hier in dr Geechend lähm tun. Von dän vier Millionen Einwohnern in Saggsen sin wencher wie ä eenzches Prozent Muslime. Gradema 0,1 Prozent von alln Saggsen tun sich zum Islam bekennen, das sin ungefähr 4000 Leite. De Muslime sin vor allm in Ballungsräumen vertreten. In dän beeden greeßten Schtädten Leibzch un Dräsdn is der muslimsche Bevölkerungsanteil am höchsten. So läbten Ende 2017 etwa 24.000 Mänschen mit muslimschen Hintergrund in Leibzch, was awer nüscht iewern Grad un de Intensität von denn ihrer Relichonsausiewung saachen tut. In däm Buche „Muslime in Sachsen“ von meiner Universitätsdozentin habsch geläsn, dass in dr zweeten Hälfte vom 20. Jahrhundert verschtärkt Muslime un Musliminnen nach Saggsen immigierten. Wie ooch in andern Bundesländern wanderten in Saggsen in dr DDR-Zeit Eggsbärden, Arweetskräfte, Schtudierende un Geflüchtete nach Deutschland rein. Seit’n 90er Jahrn immigiern ähmd mähr Muslime nach Saggsen, wächen dn Jugoslawienkriech oder jetzte wächen dän Kriechen in Syrien, im Irak oder ooch in Afghanistan. Awer ooch Arweetnähmer, Wissenschaftler oder Schtudierende muslimschen Urschbrungs gomm nach Saggsen.
Dr greeßte Teil von dän Muslimen, die de in Saggsen lähm tun, sin sunnitischen Glooms, un geheern dadrmit der greeßten muslimschen Glomsgruppe  an. De zweetgreeßete Relichonsgemeenschaft im Islam is de Schia, die sin ooch in Saggsen vertreten. Dadroff folchen die türkschen Aleviten und de islamische Ahmadiyya.
In Saggsen gibt’s ooch jede Menge islamische Gemeinden, dadrvon sin sieme in Leibzch un dreie in Dräsdn.
In dn Jahrn 2015 un 2016 hat Saggsen zahlreiche Geflüchtete offgenomm, meistens aus islamisch geprächten Ländern. Aktuell tun in Saggsen 13.587 registrierte Geflüchtete lähm (Stand: Februar 2018). Die gomm vor allm aus Syrien, Afghanistan, Irak un Pakistan.

9. Weihnachten – gibt’s das ooch im Islam? - MIT AUDIO

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Am vorchen Wochenende hatt’sch Besuch  von meiner ägyptschen Freindin Heba. Weil mr beede Lust hattn, ä bissl frische Lust zu schnabbn, un ich noch off dr Such nach ä baar Geschenken war, machten mir beede offn Weihnachstmarkt. „Lass uns mal schnell zu dem Adventskalenderstand gehen“, meente Heba nach enner Weile. „Ich fliege nächste Woche nach Hause und meine Mutter hat wieder eine Großbestellung aufgegeben.“
Bis dardrhin hatt’sch vergessn, dass Heba un ihre Familche zwar als Muslime geen Weihnachten feiern tun, awer Läbguchen un Geschenke bei ihrn gleen Geschwistern ganz hoch im Kurse stehn tun.
Ä bissl Weihnachtsstimmung gibt’s dardrum ooch immer bei den drheeme. Un weil nu dr Jesus im Islam als ä wichtcher Prophet gelten tut, un’s Christentum zu dän im Koran anergannten Relichonen geheern tut, findet das ooch geener unpassend.
Naja andre Muslime saachen ähmd, dass’s unislamsch sei, Weihnachten zu feiern, weil mr dadrmit ä Mänschen – also Jesus – zu sähre verährn tun wärde. So viel Verährung hawe nur Gott verdient. Un außerdäm ziemt’s sich nich fier de Muslime, andre Relichonen nachzumachen.
Schließlich gibt’s im Islam zwee große Feste, die mr feiern darf, awer Weihnachten geheert nu mal nich dardrzu. Diese beeden Feste sin’s Fest des Fastenbrechns am Ende vom däm Ramadan un’s Opferfest. Diese Fest nun widder is dr Abschluss dr Pilcherfahrt nach Mekka, die eemal im Jahr stattfinden tut, awer nicht jedes Jahr von alln Muslimen begangn wärd. Das Fest feiern allerdings ooch die, die de Heeme gebliem sin. Beede Feste dauern meist ä baar Daache. Dardrzu geheern Besuche bei dr Verwandtschaft, gemeinsames Essen un ooch Geschenke.
Ooch wenn bei unsern großen Festen also unterschiedliche Dinge gefeiert wärn, sieht ähmd de Art, wie mr feiern, oft ganz ähnlich aus. Ich fier mein Teil finds immer schbannend, rauszufinden, wo sich nu unsre Dradidschonen ähnlich sin und wo se sich ähmd unterscheiden tun. Un dardrbei ooch mal was Neues auszuprobiern. Nachdem mr nu de Läbguchen gegooft hattn, simr jedenfalls schnell Heeme, um uns mit nr Ganne Dee offzuwärm un Blätzchen zu backen. Awer nich, bevor Heba ihre Dande angerufen hat un ihr’s Rezept für ihre dradidschonelln Ramadan-Kekse abgeschwatzt hatte.

10. Wie iss’n das bei dän Muslimen mit dr säggs’schen Gardoffelsuppe? - MIT AUDIO

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Neilich ärscht erzählte ich mein Vader von meinen Kommilitonen Ali un Fatima, die beede aus Freiburch gomm un mit dän ich mich richtch gut verschtehn tue.
„Mänsch lad die beeden doch ämma zu uns zum Essen ein. Ich tu ooch was typsch Säggs’sches machen! Wie wärs denne mit enner säggs’schen Gardoffelsuppe?!“ Na das is ja ne super Idee, awer in dr säggs’schen Gardoffelsuppe sin ja Wärschtchen … un die sin ja ooch noch aus Schweinefleesch. Un das isst dr Ali nich.
„Warum denn das?“, fraachte mei Vader. “Weils so im Koran stähn tut, nähmlich in dr Sure 2, Vers 173, un da wärd nu gesaacht, dass…“ „Ja awer warum denne nu grad gee Schwein?“ tat mei Vader mich unterbrechen. Enne gute Fraache. Das gammr nämlich gar nich ma so genau saachen. Das Verbot gann gesundheitliche Griende ham. Zur Zeit von däm Propheten Mohammed gabs geene Giehlschränke. Da nu das Schweinefleesch sähre feddsch is, tat das nu schneller schlächt wärn als andres Fleesch. Un außerdem tun de Schweine im Islam als unrein gelten, unter anderm ooch desdrwächen, weil se Abfälle fressen.
Andre nu widder argumentiern mit gesellschaftlichn Grienden: Frieher wurde de Schweine off dr arabschen Halbinsel von dän Reichen sähre oft mit Getreide gefüttert. Un dä arme Leite hatte nischt davon. Es is meechlich, dass dr Islam das ähmd unterbinden wollte.
Awer der wichtschste Grund liecht wohl doch im gäddlichen Gebote. Muslime gloom nämlich, dass dr Schöpfer am besten wissen tut, was gut fier de Mänschen is un was ähmd nich.
Mei Vader hatte es schließlich nich leicht, ä islamtauchliches sägs’sches Essen finden. Viele dradidschonelle Gerichte sin mit Fleesch, un sälbst, wenn die dann nicht mit Schwein sin, müssen se halal – das heeßt islamsch statthaft -  geschlachtet worden sin: Das Dier wärd ruhich gelecht, von dr Herde entfernt un durch ä schnelln Kelhschnitt gedeedet, währenddessen tut dr Fleescher ’s  muslimsche Gloomsbekenntnis sprechen. Halal geschlachtetes Fleesch gammr ganz eenfach beim muslimschen oder ooch jüdschen Fleescher goofen. Mr gann nadierlich och eenfach seine muslimschen Gäste fraachen, ob se das mit dem Schwein un dem halal Schlachten so enge sähn tun. Viele tun‘s nämlich nich. 
Na zu guter Letzt gabs awer doch ä Häbbie End bei uns drheeme: Mei Vader besorchte Rindfleesch von ä Halal-Fleescher un zauwerte ä ganz wunderbarn säggs’schen Sauerbraten. Un als Gombott gabs sälbstgemachte Eierschäggen, die ohne Bedenken verputzt wärn gonnten.

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